Tiefsee - Leben im Dunkeln

Die Tiefsee


Als Tiefsee werden für gewöhnlich die völlig lichtlosen Bereiche des Meeres bezeichnet, die unterhalb einer Tiefe von mindestens 200 m liegen. Nach dieser Definition erstreckt sich die Tiefsee über rund 88 % der Fläche der Ozeane.

Das Pelagial

Das Pelagial (aus dem griechischen pélagos „Meer“) ist bei Seen und dem Meer der uferferne Freiwasserbereich oberhalb der Bodenzone (Benthal). Im Meer wird mit Pelagial die küstenferne Hochsee, also das offene Meer, bezeichnet.

Im Meer gliedert sich das Pelagial, der morphologischen Einteilung des Gewässerbodens gemäß, in fünf Zonen:

  • Epipelagial
    Das Epipelagial sind die obersten 200 Meter des freien Wassers (Pelagial) im Meer. Diese durchlichtete Tiefenzone ist durch eine positive Bioproduktivität (trophogene Zone, d. h. positive Stoff- und Energiebilanz, stärkster Aufbau von Biomasse) und den höchsten Artenreichtum innerhalb des Ökosystems gekennzeichnet. Im Epipelagial gibt es ausreichend Licht für höhere Pflanzen und photoautotrophe Kleinstlebewesen um Photosynthese zu betreiben. Neben Plankton lebt hier auch Fische, Krebse und Kopffüßer. Nach unten wird das Epipelagial durch das Mesopelagial begrenzt.
  • Mesopelagial
    Der Bereich zwischen ca. 200 Metern bis etwa 1.000 Metern Meerestiefe wird als Mesopelagial bezeichnet; ab hier beginnt die eigentliche Tiefsee. In dieser Tiefe ist noch wenig blaues Licht vorhanden. Der Druck beträgt in 1.000 Metern Tiefe etwa 100 bar. Das sind etwa 1.000 Tonnen pro Quadratmeter bzw. 100 kg pro Quadratzentimeter. Pflanzenbewuchs ist nicht mehr vorhanden. Ab und zu findet man Plankton. Im Mesopelagial leben zum Beispiel die Tiefsee-Beilfische.
  • Bathypelagial
    Das Bathypelagial reicht von 1.000 bis 4.000 Metern Tiefe. Der Druck beträgt in 4.000 Metern Tiefe etwa 400 bar. Es ist kein Sonnenlicht mehr vorhanden, nur Fische und Bakterien erzeugen künstliches Licht in Form von Biolumineszenz. Unter den in dieser Tiefe lebenden Tiefseefischen finden sich auch die Tiefsee-Anglerfische.
  • Abyssopelagial
    Das Abyssopelagial (4.000–6.000 m) ist die Tiefenzone von 4.000 bis 6.000 Metern Tiefe. Hier ist die Temperatur nahe am Gefrierpunkt. Im Abyssopelagial lebt z. B. der Tiefseekrebs.
  • Hadopelagial
    Das Hadopelagial (6.000–11.000 m) ist die tiefste Zone im Meer und reicht von 6.000 bis zu 11.000 Metern Tiefe, dem tiefsten Punkt im Ozean. Die Temperatur liegt wie im Abyssopelagial nahe am Gefrierpunkt. Dennoch gibt es hier Lebewesen, z. B. den Borstenwurm.
Lebewesen der Tiefsee

Abgesehen von hydrothermalen Quellen (auch Schwarze Raucher genannt), gibt es in der Tiefsee keine biologische Primärproduktion, da die Abwesenheit von Licht pflanzliches Leben ausschließt. Trotz der scheinbar extrem lebensfeindlichen Bedingungen existiert dennoch eine vielfältige Tierwelt, unter anderem Räuber und Aasfresser sowie in ihrer Ernährung auf symbiotische Bakterien spezialisierte Tiere.

Der Fangzahnfisch

Fangzahnfische auch Blattschupper gennant, sind wie die meisten Tiefseefische klein. Sie werden nur bis zu 15 Zentimeter lang. Kopf und Maul sind sehr groß, die Augen sind verhältnismäßig klein. Sie ernähren sich räuberisch von anderen Fischen und Kalmaren, wobei sie Beute verschlingen können, die fast so groß ist wie sie selbst. Jungtiere, mit noch kleinen Zähnen, filtrieren mit ihren langen Kiemen Plankton aus dem Wasser. Tagsüber halten sie sich in größeren Tiefen auf und wandern in der Nacht in höhere Wasserschichten. Sie leben einzeln oder in kleinen Gruppen.

Im Gegensatz zu anderen Tiefseefischen können sie gefangen werden und über Monate in Aquarien überleben.

Tiefe: 5.000m

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Die Tiefseekrake

Die Octopoda Incirrina ist erst vor kurzem von einer Forschungsmission der National Oceanic and Atmospheric Administration entdeckt worden. Der Tauchroboter „Deep Discovery“ hatte den etwa zehn Zentimeter kleinen Meeresbewohner vor der hawaiianischen Necker-Insel aufgespürt.

Dies ist das erste Mal, dass in einer Tiefe von über 4.000 Metern eine solche Spezies gefunden wurde, daher gibt es zu ihrer Lebensweise bisher nur Mutmaßungen.

Tiefe: 4500m

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Der Anglerfisch

Tiefsee-Anglerfische sind plumpe Fische mit aufgedunsenen Körpern, großen Köpfen und großen, mit langen Fangzähnen besetzten Mäulern. Mit etwa 160 Arten ist er einer der artenreichsten Fische der Tiefsee. Sie kommen in allen Weltmeeren unterhalb von 300 Meter Tiefe vor.Weibliche Tiefsee-Anglerfische unterscheiden sich von Artverwandten, durch den Besitz eines Leuchtorgans an der als Beuteattrappe fungierenden Esca (ähnlich einer Antenne). Die ist eine Art Bläschen, welches mit lumineszierenden Bakterien gefüllt ist und dazu dient, Männchen und Beute anzulocken.

Abgesehen von Untersuchungen an Totfängen sind die Tiefsee-Anglerfische wenig erforscht, da Beobachtungen an lebenden Fischen sehr selten selten.

Tiefe: 1.000 - 4.000m

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Die Aequorea Victoria

Aequorea victoria ist eine Quallenart aus dem Pazifischen Ozean. Sie ernährt sich hauptsächlich von Krebstieren, kann aber auch andere Kammquallen fressen. Die Größe des Glockenkörpers der Qualle im ausgewachsenen Zustand beträgt je nach Umweltbedingungen und Lebensraum 8 bis 20 cm. Sie wird wie alle ihre Artgenossen hauptsächlich von den Strömungen getrieben.

Sie haben hell fluoreszierende Punkte um den Seitenrand des Glockenkörpers, welche ein blaues Licht ausstrahlen. Das Licht wird in der Qualle in mehr als 100 dünnen lichtproduzierenden Organen produziert, die den äußeren Glockenkörper umlagern.

Tiefe: 4.000 - 8.000m

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Der Borstenwurm

Der Borstenwurm gehört der Klasse der Vielborster an und wird bis zu 5 Zentimeter lang. Er besitzt zahllose seitlichen Scheinfüßchen und bedient sich ebenfalls der Biolumineszens, welche ihn blau leuchten lässt.

Sie beziehen ihre Nahrung in der lichtlosen Tiefsee durch symbiotische Bakterien, die ihrerseits ihre Energie aus Schwefelwasserstoff in der Umgebung hydrothermaler Quellen (Schwarze Raucher) gewinnen. Weitere Einzelheiten über die in der Tiefsee lebenden Exemplare sind weitgehend unerforscht.

Tiefe: 11.000m

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